Mein Klavierweg

Glossar der Klavier-Begriffe für Wiedereinsteiger (Etüde, Fingersatz, Pedal …)

Vorletzten Sonntag saß ich mit meinem alten Notenheft von 1994 auf der Klavierbank – aufgeschlagen bei einer Czerny-Etüde, die meine Lehrerin damals immer nur „die mit den Läufen" genannt hat – und mir wurde klar: Ich habe nie wirklich verstanden, was „Etüde" eigentlich bedeutet. Fingersatz, Pedal, Legato – Wörter, die ich als Zwölfjährige einfach hingenommen habe, ohne je zu fragen.

Das war Woche 14 meines Wiedereinstiegs. Die Katze lag wie immer quer auf der Bank, mein rechter Fuß fand das Dämpferpedal nicht auf Anhieb, und ich habe an diesem Abend mindestens dreimal „Una Corda" mit „Sostenuto" verwechselt, bevor mir klar wurde, dass das zwei völlig verschiedene Dinge sind. Die Läufe der Etüde klappten an dem Abend übrigens auch nicht – ich bin zweimal an derselben Stelle hängengeblieben und habe irgendwann entnervt den Deckel zugeklappt.

Deshalb diese Liste. Kein Lehrbuch, eher wie mein zerfleddertes Notenheft, nur mit den Begriffen, die mir beim Wiedereinstieg tatsächlich gefehlt haben – nachgeschlagen, wenn im Unterricht wieder ein Wort fiel, das ich höflich nickend überspielt habe. Ich habe versucht, jede Definition an einer echten Quelle gegenzuchecken, nicht nur aus dem Gedächtnis hingeschrieben. Für alles Weitere gilt bei mir sowieso: Klavierspielen nach Jahrzehnten Pause fühlt sich an wie Fahrradfahren mit komplett verlernter Balance – die Begriffe kommen zurück, aber meistens erst, nachdem man sie ein paarmal falsch benutzt hat.

Spieltechnik und Notation

Diese Wörter sehe ich in fast jedem Notenblatt – und stolpere immer noch beim Vomblattspielen, wenn ein vorgedruckter Fingersatz nicht zu meiner Handgröße passt und ich ihn mir lieber selbst umschreibe.

Begriff Definition und Anwendung
Etüde Ein Instrumentalwerk (franz. étude „Studie"), das primär der Überwindung technischer Schwierigkeiten dient. Im Gegensatz zu reinen Fingerübungen besitzen Etüden eine harmonische Struktur und können auch die Tonart wechseln (Wikipedia).
Fingersatz Die Zuweisung bestimmter Finger zu den Noten. Bei Tasteninstrumenten werden die Finger vom Daumen ausgehend mit den Ziffern 1 bis 5 durchnummeriert (Wikipedia).
Legato Artikulationsanweisung für „gebundenes" Spiel, bei dem die Töne ohne Unterbrechung ineinander übergehen (Wikipedia).
Staccato Anweisung für „kurz abgesetztes" Spiel, bei dem der Ton deutlich vor dem Ende seines eigentlichen Notenwertes endet (Wikipedia).

Instrumentenkunde und Mechanik

Das hier ist der Teil, den ich mir erst nach dem Kauf meines Digitalpianos wirklich angeschaut habe – als ich verstehen wollte, warum sich meine drei Pedale anders anfühlen als die am Flügel in der Musikschule, wo ich sonntags manchmal übe.

Die drei Klavierpedale erklärt: links das Una-Corda-Pedal (Leisepedal), in der Mitte Sostenuto oder Moderator, rechts das Dämpferpedal (Haltepedal), mit jeweiliger Funktion
Die drei Pedale auf einen Blick – zum Einbetten (Credit: mein-klavierweg.pages.dev). Belegung und Funktionen wie in der Tabelle unten.
Begriff Definition und Anwendung
Klaviatur Die Gesamtheit der Tasten. Ein modernes Standardklavier verfügt über 88 Tasten, davon 52 weiße und 36 schwarze (Wikipedia), was einem Umfang von 7 1/3 Oktaven entspricht (Wikipedia).
Dämpferpedal Das rechte Pedal (auch Haltepedal). Es hebt alle Dämpfer gleichzeitig von den Saiten ab, sodass gespielte Töne nach dem Loslassen der Taste weiterklingen und andere Saiten mitschwingen (Pianoo.de).
Una-Corda-Pedal Das linke Pedal, auch Leisepedal genannt (Pianoo.de). Beim Flügel verschiebt es die Mechanik seitlich, sodass die Hämmer weniger Saiten treffen; beim Klavier wird stattdessen meist der Hammerweg zur Saite verkürzt (Henle-Blog).
Sostenuto-Pedal Das mittlere Pedal bei Instrumenten mit drei Pedalen. Es hält selektiv nur die Dämpfer der Tasten, die im Moment des Tretens bereits gedrückt waren (Pianoo.de).
Moderator Oft das mittlere Pedal bei aufrechten Klavieren. Es schiebt einen Filzstreifen zwischen Hämmer und Saiten, um den Anschlag für Übungszwecke zu dämpfen (Pianoo.de).
Hammermechanik Das Hebelsystem, das die Kraft des Tastendrucks auf den Hammer überträgt, der die Saite anschlägt. Das schnelle, wiederholte Anschlagen desselben Tons wird als Repetition bezeichnet (Pianoo.de).
Kammerton A Die Referenzfrequenz für die Stimmung. Der internationale Standard (ISO 16) liegt bei 440 Hz; deutsche und österreichische Orchester stimmen aber meist auf 443 Hz, Schweizer Orchester auf 442 Hz (Wikipedia).

Der Kammerton A ist nicht überall gleich: International (ISO 16) sind es 440 Hz, deutsche und österreichische Orchester stimmen aber meist auf 443 Hz, Schweizer Orchester auf 442 Hz.

Vortragsbezeichnungen und Dynamik

Und die hier klingen für mich immer noch wie eine Fremdsprache, die ich mal einigermaßen fließend gesprochen habe und jetzt Wort für Wort zurückerobern muss – meine Lehrerin schreibt sie mir inzwischen mit Bleistift über die Takte, weil ich sie sonst beim Spielen vergesse.

Begriff Definition und Anwendung
Piano (p) Dynamikbezeichnung für „leise". Steigerungen sind Pianissimo (pp) oder Pianissimo possibile (ppp) (Wikipedia).
Forte (f) Dynamikbezeichnung für „laut" oder „stark". Steigerungen sind Fortissimo (ff) oder Fortissimo possibile (fff) (Wikipedia).
Crescendo Anweisung, die Lautstärke allmählich zu steigern (italienisch „wachsend") (Wikipedia).
Adagio Tempobezeichnung, italienisch für „gemächlich"; steht in der klassischen Tempo-Reihenfolge zwischen Lento und Andante (Wikipedia).
Allegro Tempobezeichnung, italienisch für „heiter"; steht in der klassischen Tempo-Reihenfolge zwischen Moderato und Vivace, also für ein zügiges, lebendiges Zeitmaß (Wikipedia).

Zuletzt geprüft: 2026-07-12 – ich lese diese Liste selbst regelmäßig nach, meistens sonntagabends, wenn mich mein eigener Unterricht wieder an ein Wort erinnert hat, das ich nachschlagen musste.

Quellen

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