
23 Sekunden – so lange habe ich heute Abend an dem Triller in Takt 7 des Chopin-Nocturnes herumprobiert, bevor ich die Hände wieder in den Schoß gelegt habe.
Die Katze hat dabei keine Miene verzogen.
Genau so ein Moment bringt mich dazu, ehrlich hinzuschauen: Lohnt sich mein Wiedereinstieg mit Keyboard X, dem Kurs, mit dem ich nach der langen Pause wieder Klavier lernen wollte, nach all den Wochen eigentlich noch – oder bleibe ich nur aus Gewohnheit dabei?
Kurz vorweg, weil Transparenz mir wichtig ist: Die Kurs-Links in diesem Text sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, dein Preis ändert sich dadurch keinen Cent. Alles andere hier sind meine ganz eigenen Erfahrungen aus meiner Wohnung in Leipzig-Gohlis, falsche Töne inklusive.
Wie ich bei Keyboard X gelandet bin, nachdem ein Videokurs mich stehen ließ
Bevor ich mich für Keyboard X entschieden habe, hatte ich es mit einem Fingertechnik-Videokurs samt Hausaufgaben versucht. Nach dem zweiten Modul bin ich hängengeblieben, die Übungsblätter habe ich irgendwann einfach nicht mehr angerührt. Was mich an Keyboard X überzeugt hat, war der klare 52-Wochen-Plan – als Lektorin mag ich es, wenn mir jemand sagt, welches Kapitel als Nächstes drankommt, statt selbst entscheiden zu müssen, womit ich anfange.
Mittlerweile bin ich durch fast jede Lektion durch. Seit 13 Jahren ist der Anbieter durchgehend am Markt aktiv, kaum ein anderer Kurs in diesem Bereich hält sich so lange. Mein Anspruch hat sich seitdem trotzdem verschoben: Am Anfang war ich schon froh, C-Dur-Tonleitern stolperfrei hinzubekommen, heute will ich mehr Tiefe als nur saubere Läufe.

Warum ist Koordination beim Wiedereinstieg eigentlich so schwer?
Das Gefühl, nach Jahren zum ersten Mal wieder freihändig Rad zu fahren und dabei fast umzukippen, kenne ich. Genau so hat sich mein letzter März angefühlt. Ich wollte ein Pop-Arrangement aus dem Kurs mit einer klassischeren Etüde verbinden, und meine linke Hand weigerte sich, etwas anderes zu tun als die rechte: ein klassisches Plateau beim Klavierüben, wie ich es seitdem nenne.
Dabei weiß ich noch genau, wie ich in Woche 5 zum ersten Mal die linke Hand ganz allein durch ein Stück gespielt habe, ohne bei jedem einzelnen Finger nachzudenken – das saß auf einmal einfach. Zwischen diesen beiden Momenten liegt die eigentliche Arbeit am Klavier beide Hände koordinieren, und Keyboard X allein hat mir dafür nicht gereicht – ich musste mir gezielt eigene Übungen dazu suchen.
Wo Keyboard X für mich an seine Grenzen kommt
Was mir bei Keyboard X fehlt, ist die Tiefe im klassischen Repertoire. Der Kurs kommt ursprünglich vom Keyboard her und nicht vom klassischen Klavier, und das merkt man an den Mustern und Rhythmen, die er bevorzugt – fantastisch, um schnell hörbare Erfolge zu haben, aber für Bach und Chopin manchmal zu mechanisch.
Seit dem Frühjahr schaue ich mich deshalb auch außerhalb des Kurses um. Erika, eine Bekannte aus unserer kleinen Musikrunde in Plagwitz, übt seit ihrem Renteneintritt jeden Tag am Klavier und schwört auf die RS-Piano-Akademie – ihre Metronom-Disziplin beneide ich insgeheim ein bisschen. Für alle, die erstmal nur reinschnuppern wollen, habe ich mir aus Neugier auch meineMusikschule Klavier angesehen, eher am Rande, während ich selbst weiter meine Wochenlektionen bei Keyboard X abgearbeitet habe.
Wie viel Anschlagsnuance ein Digitalpiano überhaupt durchlässt, entscheidet ohnehin zuerst die gewichtete Tastatur selbst, ganz gleich, welcher Kurs später folgt.

Kopfhörer, späte Abende und eine schlafende Katze
Ein Punkt, den ich in meinen ersten Notizen kaum erwähnt hatte, wurde in den letzten Monaten überlebenswichtig: die Flexibilität. Ich übe oft spät abends, wenn die Manuskripte für den nächsten Tag durchgesehen sind, und ohne die Möglichkeit zum Klavier spielen mit Kopfhörern wäre mein Wiedereinstieg vermutlich an der Hausordnung gescheitert.
Auf der S-Bahn nach Hause gehe ich manchmal die Fingersätze im Kopf durch, ohne eine einzige Taste zu berühren – das hilft überraschend oft mehr als eine weitere Runde am Instrument. Wenn ich dann spät zu Hause übe, ist es meist nur der schmale Lichtkegel meiner Notenständer-Klemmlampe, der über die weißen Tasten wandert, während die Nachbarwohnung schon still ist.
Mein Kollege Bruno, der zwei Büros weiter im Lektorat sitzt, fragt regelmäßig nach dem Stand der Dinge – und errät dabei den Namen des aktuellen Stücks so zuverlässig falsch, dass wir beide jedes Mal lachen müssen. Die Katze scheint den elektronischen Klang meines Digitalpianos zu mögen: Sie schläft meistens tief und fest, während ich mich durch meine Bach-Inventionen kämpfe.
Danach drehe ich manchmal noch eine kurze Runde durch den Palmengarten, bevor ich ins Bett falle.
Mein Fazit nach über 100 Wochen mit Keyboard X
Würde ich Keyboard X heute noch einmal wählen? Ja, aber mit anderen Erwartungen als zu Beginn. Der Kurs hat mir die Disziplin zurückgegeben, jeden Tag ans Digitalpiano zu setzen, und den Rost von den Fingern gelöst, den die jahrzehntelange Pause hinterlassen hatte. Trotzdem stoße ich inzwischen an eine Grenze – der Kurs bringt mich zuverlässig voran, aber die Feinheiten des klassischen Klavierklangs muss ich mir woanders erarbeiten.
Wenn du gerade erst den Deckel deines alten Klaviers wieder aufklappst oder dir wie ich ein Digitalpiano gegönnt hast: Schau dir Keyboard X hier an, wenn du eine feste Struktur suchst, ohne dich sofort auf eine große Investition festzulegen. Ob ich irgendwann selbst den Schritt zur RS-Piano-Akademie mache, weiß ich noch nicht – aber seit Erikas Erzählungen ist die Neugier da.
Für heute klappe ich das Notenheft zu, die Katze hat sich die ganze Bank unter den Nagel gerissen. Der Triller in Takt 7 saß auch jetzt noch nicht – aber die Passage direkt danach, die mir seit Wochen genauso viel Ärger gemacht hat, ist mir zum ersten Mal einfach so durchgerutscht. Genau das nehme ich aus über 100 Wochen mit: Der Fortschritt meldet sich fast nie in dem Takt, an dem man gerade festhängt, sondern in dem daneben, an den man schon gar nicht mehr gedacht hat.