Mein Klavierweg

Keyboard X im Test: Lohnt sich die Anschaffung für Klavier-Wiedereinsteiger wirklich?

Keyboard X im Test: Lohnt sich die Anschaffung für Klavier-Wiedereinsteiger wirklich?

Sonntagabend in Leipzig. Die Katze besetzt die linke Hälfte der Klavierbank meines neuen Digitalpianos, während ich das vergilbte Notenheft von 1994 aufschlage und mich frage, ob 492 Dollar für Keyboard X den Rost in meinen Fingern lösen können. Draußen regnet es in die dunklen Hinterhöfe, und ich sitze hier mit dem Geruch von altem Papier und neuem Plastik in der Nase. Ein kleiner Hinweis vorab: In diesem Text stecken Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas kaufst, bekomme ich eine Provision, für dich bleibt der Preis gleich. Ich teile hier nur, was ich in meiner Mietwohnung wirklich selbst ausprobiere und beklimpere.

Es ist jetzt Woche 16 meines kleinen Experiments. 32 Jahre ist es her, dass ich nach dem Abitur den Deckel meines Klaviers im Elternhaus schloss. Studium, Umzüge, der Job im Verlag – irgendwann war das Klavierspielen nur noch eine ferne Erinnerung, wie eine Sprache, die man fließend sprach und in der man jetzt nur noch 'Guten Tag' und 'Wo ist der Bahnhof' stammeln kann. Zum 46. Geburtstag habe ich mir dann selbst den Ruck gegeben. Aber wie fängt man an, wenn man kein Kind mehr ist, aber auch keine Profi-Ambitionen hat?

Struktur gegen das kreative Chaos

Ich habe mich für Keyboard X entschieden, weil sie seit 13 Jahren am Markt sind – als Lektorin schätze ich Beständigkeit über alles. Der Kurs bietet einen extrem systematischen 52-Wochen-Plan. Das klang für meinen oft chaotischen Verlagsalltag genau richtig. Ich brauche jemanden, der mir sagt: 'Heute machst du das', damit ich nicht planlos in meinen alten Chopin-Nocturnes versinke, nur um nach drei Takten frustriert aufzugeben.

Das kühle Plastik der neuen Tasten im Vergleich zum Elfenbein-Gefühl des alten Klaviers meiner Eltern war anfangs gewöhnungsbedürftig. Während ich die ersten Übungen starte, spüre ich das leise Schnurren der Katze gegen meinen Oberschenkel – sie ist mein treuester, wenn auch kritischster Zuhörer. Aber seid gewarnt: Keyboard X ist sehr 'keyboard-orientiert'. Es geht viel um Muster, Rhythmen und Technik-Drill.

Wenn die Finger nicht wollen: Der Realitätscheck

Letzten Mittwoch kam der Moment der Wahrheit. Ich versuchte in Woche 6, ein Pop-Pattern aus dem Kurs auf ein Bach-Präludium zu übertragen und endete in einem frustrierten Weinkrampf, weil die Koordination der linken Hand komplett versagte. Es fühlte sich an, als würden meine Hände zwei verschiedenen Menschen gehören, die sich weigern, miteinander zu sprechen. Klavier Wiedereinstieg nach Jahren ist eben kein Sprint, sondern ein verdammt mühsamer Marathon durch den Schlamm.

Und dann ist da noch die körperliche Komponente. Nach 40 Minuten intensiven Tonleitern spürte ich ein brennendes Ziehen im rechten Unterarm – ein deutliches Signal, dass meine Sehnen noch im Jahr 1994 feststecken. Ich bin eben keine 16 mehr. Bin ich mit 46 zu alt, um mich durch 52 Wochen Technik-Drill zu arbeiten, oder ist diese Struktur genau das, was mein Kopf braucht?

Lohnt sich die Investition?

Keyboard X kostet insgesamt 492 Dollar. Wenn man nicht sofort alles zahlen will, gibt es das Abo-Modell für etwa 54 Euro im Monat. Im Vergleich zur RS-Piano-Akademie, die bei 1349 Dollar liegt, ist das ein Preisvorteil von satten 857 Dollar. Aber man merkt den Unterschied. Während meineMusikschule Klavier eher für das erste Reinschnuppern für rund 358 Dollar gedacht ist, ist Keyboard X die solide Mittelklasse für Disziplin-Fanatiker.

Ein Gedanke, der mich diese Woche viel beschäftigt hat: Die langfristige Ersparnis durch den Kauf eines hochwertigen Digitalpianos (auch wenn es 'nur' ein E-Piano ist) übersteigt die niedrigeren Einstiegskosten günstigerer Keyboards bei weitem. Ein billiges Keyboard ohne Hammermechanik fühlt sich für uns Wiedereinsteiger einfach 'falsch' an. Der Wertverlust bei Billigmodellen ist enorm, und der Frustfaktor noch höher. Wer ernsthaft zurückkehren will, sollte nicht am Instrument sparen, auch wenn der Kurs selbst günstig ist. Digitalpiano für Wiedereinsteiger ist hier das Stichwort – die Nachbarn in Leipzig danken es mir übrigens auch.

Mein Fazit am Sonntagabend

Im März passierte etwas Magisches: Meine Finger erinnerten sich plötzlich an Griffe, die ich seit 1994 nicht mehr genutzt hatte. Das prozedurale Gedächtnis ist ein Wunderwerk. Trotzdem stoßen die Keyboard-orientierten Übungen von Keyboard X an ihre Grenzen, wenn ich versuche, meine alte Bach-Invention wiederzubeleben. Es fehlt ein bisschen die Tiefe für echtes Klavier-Repertoire.

Keyboard X ist der perfekte, preiswerte 'Anschieber' für die Routine. Es hat mir geholfen, den Klavier üben Plan trotz Vollzeitjob durchzuziehen. Aber ich merke, wie ich mich langsam nach mehr sehne. Sobald die Basics wieder sicher sitzen, wird mein nächster Schritt wohl die RS-Piano-Akademie sein, um wirklich wieder in die klassische Tiefe zu gehen, die ich früher so geliebt habe.

Für jetzt bleibe ich aber bei meinen 30 Minuten täglich. Die Katze schläft, der Tee ist kalt, und für heute reicht es. Wenn du auch überlegst, wieder anzufangen: Tu es. Nicht für ein Konzert, nicht für andere – nur für das Gefühl, wenn die Finger plötzlich wieder wissen, wo das 'C' liegt, ohne dass man nachdenken muss. Schau dir Keyboard X hier an, wenn du eine feste Struktur suchst, um erst einmal wieder in Schwung zu kommen.

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