
Die Notenlinien verschwimmen nicht mehr zu einem grauen Muster, wenn ich sie ansehe – sechs Wochen, seit ich zwischen App und Online-Kurs hin- und herprobiere, und ich lese die Töne inzwischen einfach, ohne im Kopf mitzuzählen. Klavier lernen als Wiedereinsteigerin bedeutet für mich vor allem: staunen, was das Gehirn heimlich schon wieder kann. Und es bedeutet, sich zwischen einer App und einem Online-Kurs zu entscheiden, obwohl beide etwas völlig anderes von einem verlangen.
Bevor es weitergeht, kurz und ehrlich: In diesem Text sind Affiliate-Links versteckt. Bucht jemand darüber einen Kurs, bekomme ich eine kleine Provision – für dich kostet das keinen Cent extra. Ich schreibe nur über das, was in den letzten Wochen tatsächlich auf meinem Notenständer oder Tablet gelandet ist, nicht über das, was mir jemand zugeschickt hat.
Vorher war ich bei einer Klavierlehrerin zur Probestunde, die mir gleich in der ersten Viertelstunde ausschließlich Tonleitern aufgegeben hat – kein einziges Stück, keine Note, die nach irgendetwas geklungen hätte. Ich saß da mit meinem alten Notenheft von 1994 unterm Arm und kam mir vor wie im falschen Film. Etüden für sich zu üben kann durchaus sinnvoll sein, aber ohne ein Stück am Horizont hatte ich nach dieser einen Stunde keine Lust mehr, überhaupt wiederzukommen.
Was eine Klavier-App beim Wiedereinstieg wirklich bringt
Danach habe ich es erst mit einer App versucht – bunte Balken, die von oben herunterfallen, ein Ton wird grün, wenn er stimmt. Nach der Arbeit im Verlag war genau das richtig: kein Druck, kein Urteil, nur Tasten treffen. Beide Hände gleichzeitig zu koordinieren üben solche Apps kaum – sie zählt Treffer, keine Zusammenarbeit der Hände. Nach ein paar Wochen fiel mir auf, dass die App zwar hört, dass ich drücke, aber nicht, wie ich drücke. Sie sagt mir nichts über mein steifes Handgelenk, nichts darüber, wie ich die Klavier Dynamik verbessern könnte, wenn ein Ton einfach nur laut oder leise ist, statt lebendig zu klingen.

Warum ein Online-Kurs mich mehr fordert als jede App?
Ein paar Wochen später bin ich zur RS-Piano-Akademie gewechselt, und der Unterschied war sofort spürbar. Kein Level-Jagen mehr, sondern jemand, der erklärt, warum eine Bewegung falsch ist, nicht nur dass sie es ist. Dort wird zum Beispiel gezeigt, wie die Handhaltung am Klavier so entspannt bleibt, dass die Finger nicht nach zehn Minuten verkrampfen. Bruno aus dem Lektorat, zwei Türen weiter, fragt regelmäßig nach meinem Fortschritt und findet, das Ganze sei im Grunde wie Debugging: man sucht so lange, bis man die eine Zeile findet, die den Fehler verursacht. Bei einer kniffligen Passage aus einem Chopin-Nocturne letzte Woche hatte er damit nicht ganz unrecht.
Drei Wege zurück ans Klavier
Wofür du dich entscheidest, hängt am Ende davon ab, was du erreichen willst. Willst du nur ein paar Songs nachspielen, oder soll es wieder echtes Klavierspiel werden? Für alle, die früher schon weiter waren und jetzt eine echte Führung brauchen, bleibt die RS-Piano-Akademie mein Favorit – Themen wie Akkorde oder der Quintenzirkel kommen dort irgendwann dran, auch wenn ich selbst noch nicht so weit bin. Wer eher Beständigkeit über einen langen Zeitraum sucht, findet mit KEYBOARD X einen durchgehenden Wochenplan, der eher aufs Keyboard-Repertoire zielt als auf Klassik. Und wer erst mal vorsichtig testen will, ob der Wiedereinstieg überhaupt trägt, ist mit meineMusikschule Klavier gut aufgehoben – eine solide Basis, ohne sich gleich festzulegen.

Dem eigenen Anschlag zuhören lernen
In meiner Wohnung übe ich oft mit Kopfhörern – das Klavierspielen mit Kopfhörern schont die Nachbarn, verändert aber auch, wie ich mir selbst zuhöre. Letzte Woche dachte ich, eine Übung sitzt zu hundert Prozent, weil die App das so anzeigte. Dann habe ich mich ohne Kopfhörer aufgenommen, nur das leise Klicken der Tasten in der Stille des Zimmers, und es klang mechanisch, fast wie abgelesen. Ein Online-Kurs bringt mich eher dazu, langsamer zu spielen und genau hinzuhören, wie ein Ton entsteht, nicht nur, ob er entsteht – die alte Muskelerinnerung meldet sich dabei offenbar schneller zurück als das Gefühl für den richtigen Anschlag.
Wie schnell das geht, habe ich vor ein paar Tagen im Verlag gemerkt, als eine Kollegin mir das Notenblatt zu einem Kinderbuch-Projekt zeigte und ich die Töne einfach gelesen habe, ohne die Linien einzeln abzuzählen.
Auf dem Weg dorthin, am Schleußiger Weg entlang des Elsterbeckens, hatte ich die Passage schon im Kopf durchgespielt, ganz ohne Tasten unter den Fingern.

Meine Antwort nach sechs Wochen zwischen App und Kurs
Bei unserem monatlichen Treffen im Übungsraum in Plagwitz hat Erika kürzlich kurz zugehört, wie ich eine kleine Bach-Invention gespielt habe, und einfach genickt – bei ihr zählt das mehr als ein langes Lob. Es gab auch Phasen, in denen sich gar nichts bewegt hat, dieses Plateau, von dem wahrscheinlich jeder Wiedereinsteiger irgendwann erzählt. Noten lesen nach Jahrzehnten Pause fühlt sich manchmal an wie alte Handschrift entziffern: man erkennt die Buchstaben wieder, aber es dauert, bis daraus ein ganzes Wort wird.
Für mich läuft die Antwort auf eine einfache Regel hinaus. Willst du einfach wieder ins Spielen reinkommen, ohne großen Anspruch, reicht eine App locker aus, um die Routine zurückzuholen. Willst du aber verstehen, warum ein Ton falsch klingt, und nicht nur, dass er es tut, kommst du an einer echten Anleitung nicht vorbei. Für mich bleibt die RS-Piano-Akademie deshalb der Kern meines Übens. Wer nur unverbindlich reinschnuppern will, ist bei meineMusikschule Klavier gut aufgehoben, und wer lieber einen festen Plan mit klaren Wochenzielen will, findet den bei KEYBOARD X. Mimi liegt schon wieder auf der Klavierbank und blockiert die linke Hälfte der Tasten, also mache ich für heute Schluss – aber die Bach-Invention klingt inzwischen tatsächlich nach Bach.