Mein Klavierweg

Strukturierte Klavierübungen für Erwachsene mit der RS-Piano-Akademie im Test

Strukturierte Klavierübungen für Erwachsene mit der RS-Piano-Akademie im Test – Notenheft und Digitalpiano beim Klavier-Wiedereinstieg

Der Cursor blinkt seit einer Minute auf derselben Stelle, weil ich nicht weiß, wie ich Albert antworten soll. Er hat mir nach meinem ersten Eintrag über den Klavier-Wiedereinstieg geschrieben, mit einer langen Mail voller Fragen zur RS-Piano-Akademie – und dem Satz, er sei „garantiert der Erste, der schon in Takt drei aufgibt“. Die Dicke springt dazwischen und tippt mit auf der Tastatur, ein zufälliges „pppppp“ mitten in meiner Antwort.

Bevor es weitergeht, kurz die Offenlegung: Dieser Text enthält Affiliate-Links, und wenn du darüber einen Kurs buchst, bekomme ich eine Provision, ohne dass sich dein Preis dadurch ändert. Ich teste diese Online-Kurse abends nach der Arbeit im Verlag selbst, ganz ohne Auftrag, einfach weil ich meine eingerosteten Finger wieder in Schwung bringen will – und weil Alberts Fragen zeigen, dass ich damit nicht allein bin.

Der Unterschied zwischen wildem Klimpern und echtem Üben

Die ersten Monate mit meinem Digitalpiano habe ich einfach drauflosgespielt, Fragmente von Chopin-Nocturnes, die ich früher auswendig konnte, und war selig überrascht, dass das motorische Gedächtnis offenbar wirklich etwas taugt – so wie man nach Jahren wieder aufs Rad steigt und im ersten Moment wackelt, bevor der Körper sich erinnert. Nur trat ich irgendwann auf der Stelle, dieselben drei Fehler, immer an derselben Stelle, weil ich drüberspielte statt zu üben. Als Lektorin weiß ich eigentlich, dass ein Manuskript nicht besser wird, wenn man es einfach zehnmal liest. Man muss die Struktur verstehen.

Muss man für den Klavier-Wiedereinstieg wirklich eine ganze Akademie buchen?

Unbedingt nötig ist das nicht – bei mir hat es trotzdem funktioniert, weil vorher nichts anderes gehalten hat. Ich hatte mir schon einmal ein Selbstlernbuch mit CD gekauft, mich brav durch die erste Hälfte gearbeitet, und irgendwann lag das Heft zwischen den Kochbüchern und wurde monatelang nicht mehr angefasst. Kein Termin, kein Lehrer, keine Konsequenz, wenn ich es liegen ließ. Ich spiele jetzt seit zwei Jahren wieder, nicht durchgehend brillant, aber beharrlich, und der Unterschied war am Ende nicht mehr Motivation, sondern eine Struktur, die mich beim Kragen packt. So bin ich bei der RS-Piano-Akademie gelandet – sie wirkte seriöser, fast akademisch, und genau das hat mich überzeugt.

Altes Klaviernotenheft von 1994 auf einem modernen Notenständer beim Klavierlernen für Erwachsene mit der RS-Piano-Akademie

Was passiert im ersten Modul, und warum tut es in den Unterarmen weh?

Man startet nicht mit einem Lied, sondern mit dem Fundament. In den ersten Technik-Etüden ging es um Fingerunabhängigkeit, sauberen Anschlag, ein lockeres statt verkrampftes Handgelenk. Nach der ersten Einheit spürte ich ein deutliches Ziehen in den Unterarmen – nicht schmerzhaft, aber eine Erinnerung daran, dass Sehnen mit Ende vierzig keine achtzehn mehr sind. Wer das Fundament überspringt, merkt es spätestens bei der ersten Verzierung, wenn das ganze Kartenhaus zusammenfällt.

Später kommen Module zur Handunabhängigkeit dazu, in denen linke und rechte Hand lernen, sich nicht gegenseitig aus dem Takt zu bringen, dazu langsames Üben mit dem Metronom, bevor überhaupt an Tempo gedacht wird. Es gibt Einheiten zum Blattspiel, zu Akkorden und Harmonielehre, zu Tonleitern mit festem Fingersatz, zu Intervallen, die man erkennt, ohne jede Note einzeln abzuzählen, sogar zum Quintenzirkel, den ich seit der Schulzeit nicht mehr angerührt hatte. Das Pedal wird eigens behandelt, weil ein runder Klang eben nicht nur aus den Fingern kommt. An manchen Abenden übe ich sogar mental, ganz ohne Klavier, nur die Bewegung im Kopf durchgehen – das klingt seltsam, hilft aber wirklich. Genau das ist Klavierlernen für Erwachsene, wie ich es mir gewünscht hätte: gründlich, nicht verspielt.

Mein Digitalpiano hat die vollen 88 Tasten und eine gewichtete Klaviermechanik, aber meine Disziplin lag anfangs eher im Bereich von zwanzig Tasten. Die Akademie zwingt einen, dranzubleiben – wer es weniger streng mag, findet im 52-Wochen-Plan von KEYBOARD X vielleicht die entspanntere Variante, auch wenn dort das klassische Repertoire kürzer kommt.

Die Struktur kann auch zu viel werden

Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich anfing, Musik wie eine Gleichung zu behandeln. Das ist die Gefahr bei einem so akademischen Ansatz für Erwachsene, die beruflich ohnehin den ganzen Tag effizient denken müssen. Ich hatte gerade ein Modul über den richtigen Fingersatz abgeschlossen, penibel genug, dass ich mich danach fragte, ob ich nicht doch zu viel wollte. Wenn sich eine Etüde anfühlt wie ein Telefonbuch, das man korrigiert, hilft nur eins: Tablet aus, Vorgaben ignorieren, einfach in C-Dur baden, ohne Ziel.

Ein Plan ist ein Kompass, kein Käfig.

Wenn sich mal tagelang gar nichts bewegt, eine Passage einfach nicht weichen will, ist das kein Zeichen, dass man ungeeignet ist – es ist der ganz normale Punkt, an dem viele Wiedereinsteiger aufgeben, kurz bevor der nächste Schritt kommt.

Hände einer Frau beim Üben auf einer Klaviertastatur mit Hammermechanik – Technikübungen beim Klavier-Wiedereinstieg

Der Unterschied zeigt sich auch im Alltag

Neulich im Verlag summte ich vor mich hin, ohne es zu merken, und eine Kollegin fragte, was das für eine Melodie sei. Ich musste kurz überlegen – es war das Menuett aus meinem alten Heft von 1994, das ich offenbar auswendig gelernt hatte, ohne es je bewusst zu pauken. Genau solche Momente zeigen mir, dass die strukturierten Wiederholungen wirklich etwas im Kopf verankern, das beim bloßen Drauflosspielen nie hängen geblieben wäre.

Tablet mit Online-Klavierkurs der RS-Piano-Akademie neben klassischen Noten im Praxistest für Wiedereinsteiger

Was Albert mich wirklich gefragt hat

Albert will vor allem eins wissen: ob sein altes Klavier, das er von seiner Tante geerbt hat, überhaupt reicht, oder ob er erst ein digitales Instrument braucht wie ich. Die ehrliche Antwort: Ein gut gestimmtes, gespieltes Instrument reicht für den Einstieg völlig, die Akademie ist an kein bestimmtes Modell gebunden. Für alle, die erst einmal reinschnuppern wollen, bevor sie sich auf ein derart dichtes Programm einlassen, ist meineMusikschule Klavier oft die entspanntere Tür – der Druck ist geringer, solange man noch nicht weiß, ob das Hobby bleibt.

Manche Passage braucht einfach länger, als man denkt

Nicht jede Übung sitzt beim ersten Versuch. An einer eigentlich einfachen Stelle in einem Nocturne bin ich zuletzt dreimal hintereinander gescheitert, immer am selben Basston, während die Dicke mich vorwurfsvoll von der Bank aus ansah. Solche Abende gehören dazu. Manchmal hilft es dann, alte Etüden wie Hanon neu für sich zu entdecken, nicht weil sie schön klingen, sondern weil sie genau die Bewegung isolieren, die gerade nicht klappt.

Wenn du auch überlegst, wieder anzufangen: Es muss nicht die RS-Piano-Akademie sein, aber such dir etwas, das dich fordert, ohne dich zu überfordern. Und wenn ein Abend einfach nicht läuft, klapp das Heft zu, kraul die Katze und versuch es morgen wieder – die Tasten laufen nicht weg.

Vielleicht fängst du sogar erst mit etwas ganz anderem an: deine alten Noten zu sortieren ist selbst schon eine kleine Zeitreise.

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